Einsamkeit – ein Gefühl, das viele kennen, aber kaum jemand anspricht
- Stephanie Heidenreich
- 24. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 17 Stunden
Kennen Sie das Gefühl, in einem vollen Raum zu sitzen und sich trotzdem völlig allein zu fühlen? Oder abends nach Hause zu kommen und niemanden zu haben, mit dem Sie wirklich reden können? Vielleicht haben Sie eine/n Partner:in, Kolleg:innen, vielleicht sogar Freunde – und trotzdem ist da diese Leere.
Sie sind nicht allein mit diesem Gefühl. In meiner Arbeit als psychosoziale Beraterin höre ich solche Sätze oft. Und die Zahlen zeigen: In Österreich geht es über 700.000 Menschen so. Mehr als jeder vierte Mensch zwischen 18 und 74 Jahren fühlt sich zumindest manchmal einsam.
Das Besondere dabei: Einsamkeit ist längst kein Randthema mehr. Das Problem ist so groß, dass manche Länder politisch darauf reagieren.

Wenn Regierungen Einsamkeit ernst nehmen
2018 passierte etwas Bemerkenswertes: Großbritannien richtete als erstes Land der Welt ein Ministerium für Einsamkeit ein. Die damalige Premierministerin Theresa May hatte erkannt: Das ist nicht nur ein Problem einzelner Menschen. Das betrifft uns alle als Gesellschaft.
Drei Jahre später, 2021, folgte Japan – aus einem erschütternden Grund: Im Oktober 2020 starben dort mehr Menschen durch Suizid als durch COVID-19 im gesamten Jahr. Besonders Frauen waren betroffen – ihre Suizidrate stieg um 70 Prozent.
Auch Deutschland startete 2022 eine Kampagne gegen Einsamkeit. Ein eigenes Ministerium gibt es dort zwar noch nicht, aber das Thema ist endlich auf der politischen Agenda.
Was mir das zeigt: Einsamkeit ist kein persönlicher Makel. Sie ist ein gesellschaftliches Thema, das uns alle angeht.
Und bei uns in Österreich?
Die aktuellen Zahlen aus Österreich machen nachdenklich:
Junge Menschen leiden besonders: 12% der 18- bis 34-Jährigen fühlen sich fast immer einsam
Menschen, die allein leben: Fast jeder Fünfte fühlt sich dauerhaft einsam
Menschen mit wenig Geld: Hier sind es sogar 35%, die sich immer oder meistens einsam fühlen
Der letzte Punkt berührt mich besonders. In meiner Arbeit beim Plaudertischerl der Diakonie eine Welt habe ich oft erlebt: Wer wenig Geld hat, muss soziale Kontakte einschränken. Ins Café gehen, Freunde treffen, gemeinsam essen – all das kostet. Mehr als jeder dritte Mensch mit niedrigem Einkommen musste deshalb Kontakte reduzieren.
Einsamkeit hat also viel mit unseren Lebensumständen zu tun. Und gerade deshalb schämen sich viele dafür.
Was Einsamkeit mit unserem Körper macht
Einsamkeit ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl. Sie macht richtig krank.
Forscher haben etwas Erstaunliches herausgefunden: Einsamkeit schadet der Gesundheit genauso wie 15 Zigaretten am Tag. Sie ist vergleichbar mit Alkoholmissbrauch oder zu wenig Bewegung.
Was das konkret bedeutet:
Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt deutlich
Im Alter erhöht Einsamkeit das Demenzrisiko um fast 40%
Menschen mit guten sozialen Beziehungen leben bis zu 50% länger
Unser Körper reagiert auf Einsamkeit mit Stress. Das Immunsystem wird schwächer. Entzündungswerte steigen. Auf Dauer macht das krank – körperlich und seelisch.
In meiner Beratung sehe ich das oft: Menschen kommen wegen Erschöpfung, Schlafproblemen oder diffusen Ängsten. Und wenn wir genauer hinschauen, steckt oft tiefe Einsamkeit dahinter.
Einsamkeit hat kein einheitliches Gesicht
Was mich in meiner Arbeit immer wieder berührt: Wie unterschiedlich Einsamkeit aussehen kann.
Da ist zum Beispiel Maria* (Name geändert), die zu mir sagte: "Ich sitze jeden Tag im Büro, umgeben von Kollegen. Aber ich fühle mich nicht gesehen. Als wäre ich unsichtbar."
Oder Thomas*, der erzählte: "Meine Frau und ich leben zusammen, aber wir leben aneinander vorbei. Abends sitzen wir nebeneinander auf der Couch, jeder am Handy. Wir reden nicht mehr wirklich miteinander."
Und dann gibt es noch diese tiefere Einsamkeit – ein Gefühl, nicht wirklich verbunden zu sein. Weder mit anderen, noch mit sich selbst. Das ist schwer zu beschreiben, aber viele kennen es.
Einsamkeit kann jeden treffen. Sie macht keinen Unterschied zwischen arm und reich, jung und alt, allein oder in Beziehung.
Es gibt Wege heraus
Die gute Nachricht, die ich Ihnen mitgeben möchte: Einsamkeit muss nicht dauerhaft sein.
In Österreich gibt es bereits wunderbare Initiativen wie das Plaudernetz oder Plaudertischerl – Orte, wo Menschen einfach miteinander sprechen können. Ohne Druck, ohne Bewertung, einfach von Mensch zu Mensch.
Manchmal braucht es aber mehr. Manchmal braucht es einen geschützten Raum, um zu verstehen:
Warum fühle ich mich so einsam?
Was fehlt mir wirklich in meinem Leben?
Wie kann ich das ändern?
Aus meiner Erfahrung bei der Diakonie Austria und in der psychosozialen Beratung weiß ich: Der erste Schritt ist oft der schwerste. Sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Sich zu trauen, darüber zu sprechen. Aber dieser Schritt lohnt sich!
Sie müssen das nicht alleine durchstehen
Wenn Sie sich einsam fühlen – im Job, in Ihrer Beziehung oder im Leben allgemein – dann ist das okay. Es ist menschlich. Und es ist nichts, wofür Sie sich schämen müssten.
Dass ganze Regierungen Ministerien gegen Einsamkeit einrichten, zeigt doch: Das ist ein ernstes, wichtiges Thema. Sie verdienen Unterstützung. Sie verdienen es, gehört zu werden.
Vielleicht ist dieser Artikel der erste Schritt für Sie. Zu erkennen: Ich bin nicht allein mit diesem Gefühl. Und es gibt Menschen, die verstehen, was ich durchmache.
Ich bin eine davon.
Über mich: Ich bin Stephanie Heidenreich, psychosoziale Beraterin mit Erfahrung in der Arbeit mit Menschen die von Einsamkeit und Isolation betroffen sind. Ich begleite Menschen, die mit verschiedenen Formen von Einsamkeit kämpfen – im Beruf, in Beziehungen oder im Leben allgemein.
Möchten Sie mit mir sprechen?
Ich biete ein unverbindliches Erstgespräch an. Gemeinsam schauen wir, was Sie brauchen und wie ich Sie unterstützen kann.
Kontakt:
E-mail: office@beratung-heidenreich.at
Telefon: +43 677/ 616 73 067
Quellen: Die Informationen in diesem Artikel basieren auf Studien der Statistik Austria, der Caritas Österreich, sowie internationalen Forschungsergebnissen zu Einsamkeit und Gesundheit. Alle verwendeten Quellen sind wissenschaftlich fundiert.
*Alle Namen in diesem Artikel wurden geändert, um die Privatsphäre zu schützen.


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